Was Sie über die türkische Sprache wissen sollten ...

Türkische Sprache - Stellung in der Welt

Die in der Türkei gesprochene Sprache, das Türkische oder auch das Türkei-Türkische, gehört zu den Turksprachen, einer Gruppe von Sprachen, die von Osteuropa (insbesondere auf dem Balkan) über Vorderasien, Innerasien (Tatarstan u.a.) bis nach Ostsibirien und Westchina (Xinjiang-Uigur) gesprochen werden. Die meisten Turksprachen stehen einander verhältnismäßig nah. Sie unterscheiden sich teilweise nicht mehr als z.B. das Niederdeutsche vom Süddeutschen.

Zu den wichtigsten Turksprachen zählen

Turksprachen werden auf mehr als 2/3 der Fläche der GUS-Staaten (etwa der früheren Sowjetunion) gesprochen!

Turksprachen gehören damit zweifellos zu den auf dem eurasischen Kontinent am meisten verbreiteten Sprachen. Weltweit gilt Türkisch als die 7. am meisten verbreitete Sprache. Sie wird von mehr als 250 Millionen Menschen gesprochen (zum Vergleich: Deutsch wird von rund 95 Millionen Menschen gesprochen).

Türkisch - Die Sprache eines attraktiven Handelspartners

Die Zollunion (1996) zwischen der EU und der Türkei, die türkische Währungsreform (2005), die Eindämmung der Inflation, die Senkung der Staatsverschuldung und andere Faktoren haben dazu beigetragen, dass sich das Bruttoinlandsprodukt der Türkei in den Jahren 2000-2007 fast verdoppelt hat.

Damit hat sich die Türkei zu einem interessanten Partner für die europäische und damit auch für die deutsche Wirtschaft entwickelt. So gingen in 2007 51,6 % der Exporte in die EU, 46 % der Importe stammten aus der EU. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes beliefen sich die deutschen Exporte in die Türkei auf 15,14 Mrd., die türkischen Exporte nach Deutschland auf 9,65 Mrd. Euro. Laut derselben Quelle ist die Zahl deutscher Unternehmen bzw. türkischer Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung inzwischen auf über 3.600 gestiegen (Stand: Mai 2009).

Die Zusammenarbeit mit der Türkei bietet sich vor allem auf den folgenden Feldern an:

Der Exportmarkt Türkei: Die Türkei ist ein Binnenmarkt mit ca. 80 Millionen Einwohnern. Die Kaufkraft steigt stetig. Aufgrund ihrer überwiegend jungen Bevölkerung, die sich besonders in den Städten konzentriert, ist die Türkei ein attraktiver Absatzmarkt für Produkte auch aus Deutschland.

Der Produzent Türkei: Die türkische Bevölkerung ist gut ausgebildet. Gleichzeitig stehen die Produktionskosten und die Lohnkosten in einem guten Verhältnis, so dass die Türkei zu einem profitablen Produktionsstandort insbesondere für Investoren aus Deutschland geworden ist, wo die Wirtschaft unter hohen Lohn- und Lohnnebenkosten leidet.

Das Sprungbrett Türkei: Die Türkei ist und war schon immer das klassische Durchgangsland. Viele Projekte des Nahen und Mittleren Ostens werden über die Türkei realisiert werden, sei es in Form multinationaler Konsortien, Franchise-Modellen oder sonstiger Geschäftsformen unter türkischen Beteiligung.

Türkische Ausschreibungen

Zunehmend beteiligen sich deutsche Unternehmen an internationalen Ausschreibungen in der Türkei. Dabei ist es sicherlich von Vorteil, den türkischen Ursprungstext der Ausschreibungsunterlagen direkt ins Deutsche zu übertragen, anstatt über eine Drittsprache gehen zu müssen. Das spart insbesondere bei kurzfristigen Ausschreibungen wichtige Zeit und erhöht die Genauigkeit der Übersetzung.

Auch bei der Abgabe der Angebote ist eine präzise, frist- und fachgerechte Übersetzung ins Türkische oberstes Gebot.

Die wachsende Bedeutung der türkischen Sprache im Rahmen des angestrebten EU-Beitritts und der Integration

Seitens der Türkei erfordert der angestrebte EU-Beitritt eine Reihe von Anpassungen im Hinblick auf politische, ökonomische, rechtliche und andere Standards der Europäischen Union.

Die Türkei ist, was ein wenig in Vergessenheit geraten ist, bereits seit 1963 assoziiertes Mitglied der EU und seit 1999 offizieller Beitrittskandidat. Darüber hinaus ist die Türkei NATO- und WEU-Mitglied. Die Beitrittsverhandlungen der Türkei zur EU wurden 2005 aufgenommen.

Türkisch wird immer wichtiger.

Die europäische Union hat derzeit 23 Amtssprachen. Türkisch ist als Amtssprache der EU bereits beantragt worden, wenn auch (noch) nicht von der Türkei, sondern von zypriotischen Abgeordneten. Denn sollte das EU-Mitglied Zypern wiedervereinigt werden - und die Chancen dazu stehen nicht schlecht - würde auch der türkischsprachige Norden Zyperns zur EU gehören.

Die wachsende wirtschaftliche Bedeutung der Türkei zeigt sich aber auch in den zunehmenden Investitionen türkischer Unternehmen in Deutschland und Westeuropa.

Türkische Unternehmer haben in den vergangenen 3 Jahrzehnten in Deutschland mehr als 75.000 Unternehmen aufgebaut. Die Zahl der türkischen Arbeitgeber erhöht sich jedes Jahr um ca. 10 %. Türkische Unternehmer beschäftigen allein in Deutschland fast 330.000 Arbeitskräfte. (Stand: 2009)

Vor allem durch Einwanderung nach Deutschland während der so genannten Gastarbeiterzeit, aber auch aufgrund des Nachzugs wurden 2003 etwa 2 Millionen türkische Muttersprachler in Deutschland gezählt.

Etwa 2/3 der in Deutschland lebenden 3,9 Muslime sprechen als Muttersprache Türkisch. 732.000 deutsche Staatsbürger bekennen sich zum Islam. Sie sind integriert und bereichern die deutsche Kultur mit ihren vielfältigen Traditionen.

Vom Einkauf in türkischen Geschäften über die Kultur (Literaturnobelpreisträger Pamuk Orhan), über Handels- und Wirtschaftsbeziehungen bis zum Urlaub in der Türkei: Überall ist es von Vorteil, Türkisch zu sprechen und zu verstehen.

 

Ist Türkisch schwer zu erlernen?

Nein! Vor allem aber ist Türkisch anders, ganz anders als das Deutsche!
 
Und dies macht das Türkische für Deutsche zu einer höchst interessanten Sprache…

Denn während die europäischen Sprachen von ihrer Formenlehre, das heißt von ihrer Morphologie und Grammatik, her alle einander mehr oder weniger ähneln, geht das Türkische ganz andere Wege.

Trotzdem gehört das Türkische aus den nachfolgenden Gründen zu den am leichtesten zu erlernenden Sprachen der Welt.

Beispiele für die Andersartigkeit des Türkischen gegenüber dem Deutschen

Wie andersartig das Türkische ist, sei an einigen Beispielen demonstriert:

 

1. Das Türkische fängt (aus deutscher Sicht) hinten an ...

Bevor man nicht das letzte Wort eines türkischen Satzes gehört oder gelesen hat, kann man nicht wissen, ja nicht einmal ahnen, was der Satz aussagen wird, denn die Satzaussage, das Prädikat eines Satzes, steht immer an der letzten Stelle eines Satzes. Dies gilt auch für Fragen und für Verneinungen! Daraus ergeben sich interessante Merkwürdigkeiten und Notwendigkeiten…

Anders als im Deutschen, wo nach den ersten wenigen Wörtern eines Satzes meist bereits klar ist, worum es eigentlich geht, benötigt man im Türkischen ein gewisses Maß geduldigen Zuhörens, bevor man den Sinn eines Satzes erfassen kann.

Beispiel:

Deutsch: Wir fahren (am Anfang) wegen des schlechten Wetters nicht in Urlaub.

Türkisch: Hava kötü olduğundan izine gitmiyeceğiz (am Ende).
(Wetter-Schlechtsein-sein-wegen Urlaub-in fahren-nicht-werden-wir.)

Insbesondere bei überlangen Sätzen kann es daher auch türkischen Muttersprachlern passieren, dass sie am Satzende, wo es im Türkischen auf die eigentliche Satzaussage ankommt, nicht mehr wissen, was sie am Anfang sagen wollten, und der Satz eine unvorhergesehene Wendung nimmt oder zumindest anders endet, als der Sprecher dies beabsichtigt hat …

Dies wiederum kommt der berühmten Erzählkunst türkischer Märchen, Fabeln und Geschichten zugute … Im Türkischen ist es dem Erzähler möglich, einen Satz zu beginnen, sich selbst zuzuhören und abzuwarten, wie es ihm gelingt, den Satz zu beenden (wenn es ihm denn gelingt …).

Daher gilt Türkisch als die Sprache der Poesie, der Epik und Dramatik, Deutsch als die Sprache der Philosophie.

Natürlich ist auch Türken wichtig, korrektes Türkisch zu sprechen und auf die Schönheit ihrer Sprache zu achten. Eines aber unterscheidet Türkisch vom Deutschen sehr stark: Auf Türkisch sagt man niemals: 'Hast du das verstanden?', sondern stets: 'Konnte ich das verständlich erklären?' (Anlatabildim mi?) Türkisch wird als Verständnisgrundlage zwischen den Menschen und nicht als Sprachprinzip uno solo verstanden. Aus diesem Grunde gibt es auf Türkisch so gut wie keine Haarspaltereien. Jeder wird stets versuchen, sein Gegenüber zu verstehen bzw. seinem Gegenüber zu erklären, was er meint. Gelingt dies nicht, sucht der Sprecher den Fehler bei sich selbst und nicht bei seinem Gegenüber.

 

2. Das Anfügungsprinzip (das Agglutinationsprinzip) ersetzt die deutschen Hilfs- und Modalverben, Personal- und Possessivpronomen

Die Hilfs- und Modalverben des Deutschen (haben, werden, sein bzw. müssen, können, dürfen, sollen), die Personalpronomen (ich, du, er, sie, es …) und Possessivpronomen (mein, dein, sein … usw.), werden im Türkischen durch Anhängsel an das Verb bzw. Substantiv gebildet.

Beispiele:

Deutsch   Türkisch
Ich habe gesehen.   Gör--m (Sehen-gehabt-ich)
Mein Haus ist groß.   Evim büyüktür. (Haus-mein groß-ist)
Soll ich kommen?   Geleyim mi?

Durch die verschiedenen Anhängsel kann ein türkisches Verb 2041 Formen annehmen. Ein deutsches Verb kann sich im Höchstfall 14 Mal verändern.

Da die Modifikationen eines türkischen Verbs jedoch ausnahmslos regelmäßig gebildet werden (im Türkischen gibt es keine unregelmäßigen und keine starken und schwachen Verben), reicht es aus, wenige Regeln zu erlernen, um die Anhängsel in der richtigen Reihenfolge und an der richtigen Stelle zu verwenden.

 

3. Kein grammatikalisches Geschlecht

Das Türkische kennt keine Artikel. Es gibt auch kein grammatikalisches Geschlecht. Das erspart viele Endungen und geschlechtsspezifische Pronomen des Deutschen (eine Tasse, seinen Hund etc.)

 

4. Das türkische Partizip aktiv, das Gerundium und das Gerundivum als Nebensatzersatz

Das Türkische besteht zumeist aus Hauptsätzen. Dies gelingt in erster Linie durch den Gebrauch von Partizipien, Gerundien, Gerundiven (passivischen Verbaladjektiven), die die Notwendigkeit einer Handlung oder die getane Handlung bezeichnen.

Beispiele:

Das türkische Partizip Perfekt Aktiv (im Deutschen unbekannt):
Yaptığı (<- PPA) işi güzel yaptı.
Die Arbeit, die er erledigt hat, hat er gut gemacht.

Das türkische Gerundivum:
Yapılacak (<- Gerundivum) iş aceledir.
Die Sache, die erledigt werden muss, ist eilig.

Das türkische Gerundium:
Zaman geç olmasından kalkmalıyız.
Wegen des Spät-Seins der Zeit müssen wir aufbrechen.

Die Verwendung von Gerundiven ist im Deutschen sehr ungebräuchlich, was die türkische Sprache stark vom Deutschen unterscheidet. Viele bezeichnen das türkische Gerundivum als den "Knackpunkt" der Fremdsprache Türkisch.

Wie aus den Beispielen ersichtlich, kommt das Türkische vor allem aufgrund seiner Hauptsatzstruktur durch die Verwendung der Partizipien, Gerundien und Gerundiven bei der Satzbildung mit deutlich weniger Wörtern aus als das Deutsche! So ist eine Übersetzung aus dem Türkischen ins Deutsche in der Regel mindestens um ein Drittel (1/3) länger als der türkische Originaltext !!!

 

5. Das Türkische hat 6 Fälle

Während das Deutsche mit 4 Fällen auskommt, hat das Türkische 6 Fälle. Damit erspart es sich eine Reihe von Präpositionen, die das Deutsche für den 5. und 6. Fall einsetzt.

Beispiele:

5. Fall (Deutsch) : in der Fabrik
5. Fall (Türkisch): fabrikada

6. Fall (Deutsch) : aus der Fabrik
6. Fall (Türkisch): fabrikadan

 

6. Türkisch - Die Sprache des Genitivs

Sehr deutlich, vielleicht am deutlichsten, unterscheiden sich die deutsche und die türkische Sprache in der Häufigkeit der Verwendung des Genitivs, der in der deutschen Sprache eh ein stiefmütterliches Dasein führt (das ist der Hund von Ralf – anstatt: das ist Ralfs Hund).

Beispiel:

Türkisch: Mahkemenin aldığı kararın infazını talep ediyorum.
Deutsch: Des Gerichts seines Gefasst-haben-Urteils Vollstreckung beantrage ich.
(Ich beantrage die Vollstreckung des Urteils, das das Gericht gefasst hat.)

 

7. Der türkische Aorist (im Deutschen unbekannte Zeitform des Verbs)

Das Türkische kennt eine Zeitform des Verbs, die es im Deutschen nicht gibt, nämlich den Aorist. Mit dem Aorist werden die Absicht, die Dauerhaftigkeit und andere Aspekte eines Tuns in der Verbform ausgedrückt.

Beispiel:

Deutsch   Türkisch
Spielst du Schach (jetzt)?   Satranç oynuyor musun?
Spielst du Schach (kannst du …) ?   Satranç oynar mısın?
Trinken Sie einen Tee (realiter)?   Çay içiyor musunuz?
Trinken Sie einen Tee (potentiell)?   Çay içer misiniz?

 

8. Die türkische Vokalharmonie

Wird ein Suffix (ein grammatisches Anhängsel, siehe oben) an ein rein türkisches Wort angehängt, muss es sich dem Vokal (dem Selbstlaut) des Grundwortes angleichen. Dabei gibt es feste Regeln, je nachdem, ob es sich um die kleine (e, i, ö, ü) oder die große (a, ı, o, u) Vokalharmonie handelt.

Beispiel für die große Vokalharmonie:

Türkisch   Deutsch
Tütün   der Tabak
Tütün (cü = Berufsbezeichnung)   der Tabakhändler
Tütüncümüz (müz = unser)   unser Tabakhändler
Tütüncümüzün (ün = Genitiv)   unseres Tabakhändlers
Tütüncümüzün evi (i = sein)   das Haus unseres Tabakhändlers

Die leichte Erlernbarkeit der türkischen Sprache drückt sich auch im relativ geringen Umfang der türkischen Grammatik aus. Da sie nach der Sprachreform des Staatsgründers der Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, nahezu vollkommen regelmäßig ist und kaum Ausnahmen kennt, kann sich der Lernende von Anfang an auf den Erwerb des Wortschatzes konzentrieren, ohne sich mühselig zu erlernende grammatikalische Besonderheiten merken zu müssen.

Da die Sprachreform Atatürks jedoch nicht bzw. noch nicht zum Abschluss gekommen ist, enthält das Türkische nach wie vor zahlreiche Fremdwörter vor allem aus dem Arabischen und Persischen. Die Erlernung dieser Wörter stellt indessen eine gewisse Schwierigkeit dar, da sie sich nicht ohne Weiteres ableiten lassen. Insofern ist es von Vorteil, bei der Erlernung der türkischen Sprache auch das Osmanische, die Sprache der Türken zur Zeit des osmanischen Reiches, zu berücksichtigen, deren Wortschatz zu einem großen Teil aus Arabisch und Persisch bestand.

 

 

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